Episode 16: Die digitale Transformation des Journalismus
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00:00:00: So, willkommen zu unserem Podcast Campus to Cyber.
00:00:15: Heute habe ich einen ganz besonderen Gast, auf den ich mich sehr freue.
00:00:19: Der Benjamin Dennis von der EMS wird uns gleich erklären, was die EMS ist und auch vielleicht einige Worte zu sich selbst sagen.
00:00:26: Erst mal willkommen, Benjamin, dass du bei uns bist.
00:00:29: Vielen Dank für die Einladung.
00:00:31: Lass uns einfach locker einsteigen.
00:00:33: Sag uns doch mal zwei, drei Sätze zu deinem Werdegang, zu deinem Hintergrund und was dann die EMS eigentlich ist.
00:00:42: Ich bin Benjamin Dennis, ich bin Journalist und seit 2021 Journalistenausbilder bzw. das bin ich eigentlich schon länger.
00:00:51: Ich bin seit 2021 Schulleiter und Geschäftsführer der Electronic Media School, das ist eine Journalistenschule mit Sitz im Potsdam-Babelsberg.
00:01:00: Wir sind eine Tochter des öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin-Brandenburg und wir bilden eigene Volontärinnen und Volontäre aus,
00:01:07: 20 Monate lang in unserem Haus, in einer kostmedialen Ausbildung und wir bilden Medienprofis aus Journalismus und PR fort,
00:01:15: in offenen Kursen, in Projekten, in Haus oder bei uns in der Schule.
00:01:20: Ich selbst habe 25 Jahre als Journalist gearbeitet, habe beim Radio angefangen, war ein langer Online-Journalist.
00:01:28: In die längste Zeit habe ich in verschiedenen Redaktionen des Spiegels gearbeitet, also Spiegel TV, Spiegel Online und zum Schluss im Hauptstadtbüro des Spiegels.
00:01:37: Bis dann tatsächlich der Ruf kam an die Schule als Schulleiter zurückzukehren, an der ich vor mir als 20 Jahren mein eigenes Volontariat begonnen habe.
00:01:46: Du bist ja jetzt ein sehr erfahrener Journalist und kennst ja auch die Entwicklung der letzten Jahre.
00:01:53: Was sind denn für dich jetzt so die besonderen Herausforderungen oder vielleicht die Veränderungen, die dieses digitale Zeitalter für den Journalismus mit sich bringt?
00:02:01: Das sind die Herausforderungen, die unsere Gesellschaft insgesamt hat.
00:02:06: Die Demokratie ist unter Druck durch Populisten, durch Desinformationen.
00:02:11: Und das, was auf der einen Seite die größte Chance ist, dass nämlich jeder und jeder selber zur Journalistin, zur Berichterstatt drin werden kann,
00:02:20: einen Podcast starten kann, einen Instagram-Channel oder wo auch immer digital publishing kann, das wird eben dann auch missbraucht.
00:02:28: Journalismus ist kein von der IHK oder sonstigen zertifizierter Beruf.
00:02:33: Selbst Presseausweise werden von teilweise dubiosen Organisationen ausgegeben.
00:02:38: Also darf sich fast jeder erstmal Journalist nennen.
00:02:42: Aber wenn wir über Sorgfaltspflichten, über das Handwerk, über eine saubere und neutrale Arbeitsweise reden, die muss gelernt werden und die muss auch kontrolliert werden.
00:02:53: Und dafür braucht es Profi-Journalistinnen und Profi-Journalisten.
00:02:56: Und Digitalisierung bietet ganz viele Chancen und macht uns, glaube ich, auch im Grunde könnte uns besser machen.
00:03:05: Aber tatsächlich sind die Herausforderungen damit eher größer geworden.
00:03:10: Wenn man jetzt sieht, was sich durch Digitalisierung verändert hat, dann hat das ja viel mit Daten zu tun.
00:03:17: Welche Rolle spielt jetzt so dieser ganze Bereich Datenjournalismus?
00:03:21: So nennt man das ja offensichtlich in der Kompetenzstruktur oder auch in der Ausbildung von Journalisten.
00:03:27: Es ist deutlich wichtiger geworden.
00:03:29: Ich muss sagen, für meine eigene Schule ist es kein Kerngebiet.
00:03:32: Es gibt auch guten Grund, zum Beispiel an der Universität Dortmund, einen Schwerpunkt für Datenjournalismus.
00:03:38: Mit meiner ehemaligen Spiegelkollegin Christina Elmer, ne ganz hervorragende Ausbildung gibt es auch noch an anderen Institutionen.
00:03:45: Alle Journalistinnen und Journalisten, die heute ein sehr jöses gutes Volontariat machen, kriegen das mit, auch unsere.
00:03:52: Aber tatsächlich kann man sich so weit spezialisieren, dass das ein eigener Schwerpunkt ist.
00:03:56: Und wenn man sich die großen investigativen Recherchen der letzten Jahre auch in Deutschland anguckt, aber auch weltweit,
00:04:03: dann sind viele dieser Geschichten Daten getrieben.
00:04:06: Also die sogenannten Panama Papers fallen mir da ein.
00:04:10: Große Datenmengen, die dann von Verbunden von Journalisten und Recherche-Teams gemeinsam ausgewertet werden.
00:04:17: Und daraus macht man dann Stories.
00:04:19: Und wenn man sich anguckt, wie in der Kombination von Datenjournalismus überhaupt Big Data und KI-Anwendung Geschichten erzählt werden können,
00:04:28: ist das total faszinierend, weil man im Prinzip riesige Datenmengen maschinell durchsuchen kann, nach Trends durchsuchen kann, die Geschichten in den Daten suchen kann.
00:04:39: Und bei mich glaube, das hat eine ganz große Zukunft.
00:04:42: Wenn ihr mir jetzt habt, ich habe das große Glück, dass ich mal auf der anderen Seite stehen darf.
00:04:46: Und eigentlich von den Listeninterviewen da, was mir natürlich viel Spaß bereitet.
00:04:49: Ich frag mal nach, wie macht ihr das dann jetzt an der EMS?
00:04:53: Also wie bereitet ihr die jungen Journalisten auf diese Herausforderung vor?
00:04:56: Was macht ihr konkret?
00:04:57: Ich sage immer ein bisschen provokant und das ist jetzt im Podcast der German UDS vielleicht noch provokanter.
00:05:03: Wir sind so eine Art Gegenuniversität.
00:05:07: Also ich habe selber auch Publicistik und Kommunikationswissenschaft vor vielen Jahren studiert.
00:05:12: Und ich weiß, wie an vielen Universitäten eher theoretisch und sicherlich auch sehr gut Journalismus und das Mediensystem vermittelt wird.
00:05:21: Wir machen es praxisnah.
00:05:22: Das heißt, bei uns trainieren nahezu ausschließlich Praktikerinnen und Praktiker aus Redaktion.
00:05:28: Und wir haben, wie man die Coca-Cola Formel der EMS ist, immer ein Drittel Input, ein Drittel Übung, ein Drittel Feedback.
00:05:37: Oder wie mein Vorgänger, Silvendal, immer gesagt hat, keine Leistung ohne Feedback.
00:05:41: Das heißt, ein permanentes Monitoring, die Volus Feedbacken sich zu Tode und können es dann nach 20 Monaten Ausbildung kommen noch ertragen,
00:05:53: merken dann aber, wenn sie 2, 3 Wochen in der Redaktion sind.
00:05:56: Mir fehlt ja was.
00:05:57: Ich krieg gar nicht ständiges Feedback.
00:05:59: Also das Feedback ist bei uns Vagas.
00:06:02: Also wir haben eine sehr offene Feedbackkultur, auch sehr viel Peer Learning und eben der Input von den Praktikerinnen und Praktikern.
00:06:08: Dazu muss man sagen, wie gesagt, die Ausbildung dauert 20 Monate, aber die sind nicht 20 Monate an der Schule,
00:06:14: sondern sie verbringen ungefähr 8 Monate dieser Zeit in vier verschiedenen Praxisstationen.
00:06:19: Und da kriegen sie auch eine Menge mit.
00:06:21: Jetzt haben wir ja in der aktuellen Situation die Herausforderung Fake News.
00:06:26: Wie kann man dann als Journalist oder Journalistin sicherstellen, dass man korrekte Informationen verbreitet?
00:06:32: Indem man sich erstmal an die Grundregeln hält, zum Beispiel das 2-Quellen-Prinzip, auch wissen, was ist denn eine Quelle?
00:06:40: Also 2-Quellen-Prinzip heißt nicht eine Nachrichtenagentur und dann nochmal chat-gebitiv fragen,
00:06:45: sondern wirklich unabhängige Quellen voneinander.
00:06:48: Verifikation spielt eine ganz wichtige Rolle, zum Beispiel bei Faktenchecks.
00:06:53: Man kriegt eine Aussage, eine Tatsachenbehauptung.
00:06:56: Wie verifiziere ich die?
00:06:58: Da ist das Internet nicht immer die Hilfe, sondern zum Beispiel anrufen.
00:07:03: Das kann man sich nicht vorstellen, aber wir haben eigene Trainings, in denen wir den jungen Menschen telefonieren beibringen.
00:07:08: Es gibt uns für viele unter 30, gerade zu einer körperlichen Herausforderung,
00:07:12: und dann haben wir gesagt, nein, du musst da jetzt aber anrufen.
00:07:14: Nein, ich will nicht, ich schriege lieber eine E-Mail.
00:07:16: Nein, die rufen da jetzt an oder du rufst da jetzt an.
00:07:19: Und dann stehen wir auch tatsächlich daneben und dann merkst du, oh ja, tatsächlich ist es gut,
00:07:23: wenn man mit einem Menschen spricht, wenn man zum Beispiel bei Behörden Aussagen verifiziert.
00:07:28: Und das Beste ist sowieso, wenn wir über regionale und lokale Berichterstattung sprechen,
00:07:34: selber Geschichten zu finden, zu recherchieren, mit Protagonisten,
00:07:37: mit Betroffenen und Expertinnen und Experten zu reden.
00:07:41: Das ist keine Magie, das ist ein Handwerk, was man lernen kann und das vermitteln wir.
00:07:45: Jetzt weiß ich ja, dass du ein sehr innovativer Mensch bist
00:07:48: und wir haben ja auch schon oft über Themen wie Cybersecurity und vor allem natürlich AI,
00:07:54: Artificial Intelligence bzw. künstliche Lidens gesprochen.
00:07:57: Kann denn der Einsatz von Technologien wie AI zum Beispiel auch bei der Erkennung von Fake News helfen
00:08:02: und was hast du für Vorstellungen, wie das in der journalistischen Praxis integriert werden kann?
00:08:08: Also, ganz klares Ja.
00:08:10: AI-Tools können bei der Verifikation helfen, tun sie schon.
00:08:14: Es gibt zum Beispiel die ersten Tools, die automatische Geolokalisierung vornehmen.
00:08:19: Geospy AI kann jeder mal testen.
00:08:21: Ist noch nicht perfekt, aber da nimmt man einen kleinen Foto-Ausschnitt von einem Gebäude,
00:08:25: man lädt es hoch und Geospy sagt einem mit einer Wahrscheinlichkeit von, weiß ich nicht,
00:08:30: 87 Prozent ist das in Dortmund, Lütkendortmund aufgenommen, aufgrund der Struktur, kann jeder mal ausprobieren.
00:08:37: Das ist also eher so dann die Zukunft.
00:08:39: Ich habe ein anderes Beispiel genannt, zum Beispiel Datensätze.
00:08:42: Da die Verifikationen durchführen, auch mit Daten wird sehr, sehr viel gefälscht bzw. in der Datenanalyse.
00:08:49: Und AI kann im besten Falle, ich sage immer, eine Kollegin werden in den Redaktionen.
00:08:55: Also diese Vorstellung, vollautomatisierte Prozesse bis hin zur Sprachsynthese und Bildsynthese,
00:09:02: Videosynthese mit AI, das ist technisch sicherlich möglich und möglicherweise ist es in zwei, drei Jahren auch revolutionär.
00:09:09: Ich sehe darin aber Stand heute, 2024, nicht die große Zukunft, sondern ich glaube,
00:09:15: der elaborierte, kluge, dosierte, aufgeklärte Einsatz von KI Tools ist eine Superpower für Redaktionen.
00:09:22: Das versuchen wir auch unseren Volontärinnen und Volontären und auch Medienprofis zu vermitteln,
00:09:26: dass wir sagen, nicht nur Chatchivity, Tools be perplexity und andere können dich wirklich schneller und schlauer machen,
00:09:33: du darfst dich nur nie 100 Prozent darauf verlassen.
00:09:36: Jetzt können wir ja ein geheimnis lüften, das ist das wir mit als German University of Digital Science und die EMS zukünftig in einem
00:09:47: Cloudhouse Gebäude gemeinsam werden.
00:09:50: Hurra!
00:09:51: Ja, wir sind auch total froh darüber und alle freuen sich schon.
00:09:54: Benjamin, du hast ja vorhin schon kritisch dich auch zur Ausbildung an Hochschulen geäußert.
00:10:00: Was ist deiner Erwartungshaltung? Was stellst du dir vor, wie wir mit unserer gemeinsamen Arbeit in Zukunft dazu beitragen können,
00:10:09: dass zum Beispiel all diese Themen, die wir vorher besprochen haben, letztlich auch in Ausbildungen und letztlich auch der Gesellschaft unterstützend umgesetzt werden können?
00:10:20: Ich glaube, wir können als EMS, da bin ich auch ganz eigennützig, unglaublich von der German UDS profitieren.
00:10:26: Der German UDS erst mal als ein Ort hier in Potsdam-Wabelsberg, aber auch als ein virtueller Ort, von dem man von der ganzen Welt aus lernen kann.
00:10:34: Wer noch nicht hier war, die Räume sind super ausgestattet.
00:10:39: Es ist eine sehr, sehr schöne Lernumgebung, eine hochmoderne, eine Umgebung, die inspiriert und bei der man sich quasi selbst wie in der Zukunft befindet
00:10:49: und trotzdem nicht das Gefühl hat, in so einer Cyberwelt zu sein, sondern es ist auch alles trotzdem auch warm und zum Wohlfüllen.
00:10:55: Das war uns ganz wichtig, aber die Expertise, die hier auch versammelt wird, in ganz unterschiedlichen Bereichen, die für uns total anschlussfähig sind als Schnittstellen.
00:11:03: Du hast es erwähnt, KI, Big Data, Cyber Security, das ist für uns so eine Art Lebensversicherung, denn wir selber hätten, wir sind kein Innovationslabor
00:11:13: und wir sind zu klein, muss ich sagen, um jetzt gerade in diesen IT-Spezial-Themen uns selber die Expertise aufzubauen
00:11:20: und zu wissen, dass wir hier, das ist vielleicht so ein bisschen wie in so einem Start-up-Hub oder einem Co-Working-Space, dass wir uns in einem Haus, in einer Umgebung,
00:11:28: indirekt der Nachbarschaft mit einigen der führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und gerne auch mit den Studierenden aufhalten,
00:11:35: die wir vielleicht auch in unsere eigenen Prozesse einbeziehen, Schnittmengen schaffen.
00:11:39: Das ist eine großartige Perspektive und es ist für uns auch die Challenge, das habe ich meinem Team gesagt, das sieht das Team übrigens auch so,
00:11:47: wir sind feste und freie Trainerinnen und Trainer, insgesamt fast 70 Menschen, die für die EMS trainieren.
00:11:53: Ich habe gesagt, lasst uns diesen Umzug und die neue Nachbarschaft für die German UDS auch nutzen, um selber, um all unsere Lernkonzepte zu hinterfragen,
00:12:02: zu modernisieren, blended learning, KI unterstütztes Lernen, Individualisierung und was alles hier mit eurer Konsequenz,
00:12:13: Technik und in dieser Umgebung möglich ist dann auch auszuprobieren und da freuen wir uns sehr.
00:12:15: Ja, ich kann ja die Freude insofern zurückgeben. Wir wissen natürlich auch, was ihr macht. In der
00:12:22: Content-Produktion sind wir nur nicht die Führenden, da seid ihr hervorragend und besser
00:12:28: aufgestellt. Und ich, Dr. Kast, gibt es ja schon mal. Ja, und was ich natürlich cool finde, ist,
00:12:32: dass wir mit euch ja auch eine kritische Distanz zu uns ins Haus holen und das auch die Erwartungshaltung,
00:12:39: dass dieser kritische Dialog, den wir führen müssen und den wir auch führen werden, dass der
00:12:44: uns auch von beiden Seiten her weiterbringt. Und dann letztendlich all das, was wir tun, tun wir ja,
00:12:48: um die Gesellschaft der Zukunft auf die Digitalität vorzubereiten und letztlich, du hast das angesprochen,
00:12:54: ganz am Anfang, es geht um das System der Demokratie, es geht um die Zukunft der jungen Menschen,
00:13:01: die gestaltet werden muss. Und ich denke, bei all dem, was wir gerade so erleben, ist das eine
00:13:05: herkules Aufgabe. Aber ich bin davon überzeugt, dass solche Netzwerke, wie wir sie jetzt haben,
00:13:10: und die werden wir sicherlich dann von beiden Seiten auch noch erweitern, dass das auch die
00:13:14: Zukunft ist. Und der Standort hier gibt uns ja auch die Möglichkeit, das durch viele Kooperationen
00:13:20: auch umzusetzen. Absolut. Und wenn man sich zum Beispiel auch das System der Schulen anguckt, wie
00:13:26: wird, wie wird Medienkompetenz in Schulen vermittelt? Welche Rolle spielt KI an den meisten
00:13:31: deutschen Schulen, die ich kenne, vielleicht auch aus gutem Grund ein Smartphoneverbot KI,
00:13:36: da wird man komisch angeguckt. Das liegt nicht an den Lehrerinnen und Lehrern, aber wir haben ja
00:13:41: insgesamt die Bildungssektor, der auch übrigens für uns als Journalisten wahnsinnig wichtig und
00:13:46: interessant ist, dass wir am Anfang gefragt haben, was könnt ihr gegen das Informationen tun? Wir
00:13:50: müssen handwerklich sauber berichten, das Informationen aufdecken, nur wir werden alleine
00:13:54: nicht erfolgreich sein, sondern wir brauchen eine Gesellschaft, in der die Bedeutung von unabhängigen
00:14:01: Nachrichten als eine Säule der Demokratie auch gewertschätzt wird. Wenn die Leute das gar nicht
00:14:06: wertschätzen und sagen, das ist mir egal und ich bin in meiner DesInfo filterbabel und da kriege
00:14:11: ich die Infos, die zu meinem Weltbild passen, das wäre verheerend und ich glaube, das führt zu
00:14:15: einer Gesellschaft, die wir nicht wollen und deswegen passen die Bereiche der Daten, IT, KI
00:14:23: Entwicklung eben auch so gut zu uns und der Lehre und ja kritisch werden wir immer bleiben. Wir
00:14:29: bleiben übrigens auch gegenüber KI kritisch. Also wir vermitteln kein Tool, zum Beispiel kein
00:14:33: large Language Model ohne Entschuldigung, ohne zu erklären, was dieses Tool macht, weil wir
00:14:39: natürlich auch aufpassen müssen, dass wir uns nicht selber obsolet machen. KI kann uns also
00:14:45: schon heute, können viele KI Anwendungen, nicht ein Journalistin, sondern ein Journalist, aber eben
00:14:50: auch viele generische Tätigkeiten direkt übernehmen und das ist natürlich das, was wir nicht
00:14:55: wollen und ich glaube, das wäre auch nicht gut, weil das im Grunde dazu führt, dass der Datensatz,
00:15:00: von dem das neuronale Netz oder das large language model zärt, der führt dann zu stereotypen,
00:15:07: die man reproduziert und das wollen wir eben nicht. Also insofern wir brauchen mehr Hintergrundwissen,
00:15:13: wir brauchen noch eine kritische Begleitung, aber unser Ansatz ist die Technik zum Partner,
00:15:17: wie ich vorhin auch sagte, zur Kollegin zu machen und ich glaube, die Nähe zur UDS wird uns dabei
00:15:23: ein Stück weit helfen. Ja, uns natürlich auch, weil ich den Eindruck habe, dass das, was du gerade
00:15:28: sagst, dass wir letztlich, wir sind als Universität natürlich eher so experimentell unterwegs
00:15:34: und die Anwendung dann tatsächlich das auch in nutzbare Übersetzungen, Transformationen,
00:15:39: ob das ein Journalismus ist oder andere Bereiche, das ist ja eigentlich das, was die Sache spannend
00:15:45: macht. An dem Standort, an dem wir sind, ist ja unter anderem das Thema Design Thinking sehr
00:15:51: stark auch akademisch abgedeckt worden. Das ist zum Beispiel auch ein Beispiel, das hat den
00:15:56: Journalismus, den modernen Journalismus wahnsinnig beeinflusst. Also wir reden heute, ob jetzt bei
00:16:01: öffentlich rechtlichen Medien oder bei privaten Verlagen oder auch Privatsendern werden in der
00:16:06: Regel Formatentwicklung in Design Sprints nutzerzentriert durchgeführt und da reden wir wirklich
00:16:12: auch über die Inhalte, wo 30, 40 Jahre lang Redakteurinnen oder Redakteure immer von ihrem Bauch
00:16:17: Gefühl gesprochen haben. Man sieht es nicht, ich klopfe mir gerade meine stattliche Plauze.
00:16:22: Na so schlimm ist es auch nicht. Na ja, die könnte besser sein,
00:16:24: rutscht jetzt hin, nicht das Thema. Also das ist für mich ein ganz tolles Beispiel, wie glaube
00:16:30: ich eine Technik, die aus dem, aus der IT-Welt kommt oder aus der Softwareentwicklung, wie die auch
00:16:37: Medien ein Grunde besser gemacht hat, Nutzerzentrierungen und ich glaube, das sind genau die Beispiele,
00:16:43: die wir jetzt fortschreiben müssen, mit denen sich verändernde Herausforderungen aber auch
00:16:47: eben mit den Möglichkeiten, die uns KI bietet. Wenn ja mit einem Thema, wenn ich dich schon da hab,
00:16:52: öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Wir haben natürlich diese Debatte jetzt in dem Bereich,
00:16:58: welche Rolle soll der öffentlich-rechtliche auch in der Zukunft in einem Mediensystem spielen?
00:17:03: Du bist natürlich erfahren, du kennst auch viele Hintergründe. Wo siehst du jetzt den Ansatzpunkt
00:17:10: für die Reform, die ja nun Gott sei Dank so meinen Eindruck auch eingeleitet werden? Was muss
00:17:16: da passieren, dass tatsächlich dieser öffentlichen Rundfunk, das was wir vorhin zum Beispiel zu
00:17:20: Fake News und so weiter diskutiert haben, dass da der auch eine entsprechende Rolle spielt?
00:17:24: Also ich glaube, es ist gut, dass wir jetzt, wenn man jetzt mal von Populisten absieht, eine
00:17:30: inhaltliche Debatte haben. Die ist jetzt angefangen und ich muss sich vorweg sagen, ich bin befangen,
00:17:38: also egal was ich jetzt sage, das kann man, ich werde letztlich bin Geschäftsführer einer
00:17:43: Institution, die Tochter eines öffentlich-rechtlichen Senders ist. Auch wenn wir eigene Einnahmen
00:17:47: generieren und nicht komplett von Zuschüssen leben, ist es aber so, dass auch wir von Beitragseinnahmen
00:17:53: finanziert sind. Das muss man dazu sagen, deswegen bin ich befangen, ich war auch Fan des
00:18:00: öffentlich-rechtlichen Systems in meinen mehr als zehn Jahren bei der Spiegelgruppe, weil ich
00:18:06: glaube, dass Deutschland und dass wir das öffentlich-rechtliche System brauchen, ich glaube,
00:18:10: es würde vielen anderen Ländern auch gut tun. Im Moment erleben wir ganz viele Reformen, die aus
00:18:17: meiner Sicht in die richtige Richtung gehen, dass wir zum Beispiel Doppelstrukturen abbauen.
00:18:21: Doppelstrukturen, die teilweise gar nicht für die Gebührenzahlerinnen und Zahler so sichtbar sind
00:18:27: in der Verwaltung, aber auch im Management, aber natürlich wurde auch zu Recht gefragt,
00:18:32: brauchen wir jetzt für jede Landesrundfunkanstalt ein eigenes Kulturabendprogramm? Also ich habe
00:18:37: überhaupt nichts gegen Kulturprogramme und nicht missverständlich könnte jetzt auch andere
00:18:40: Programmenformate nennen. Da werden jetzt eben zum Beispiel Hörfunkteile zusammengelegt. Im
00:18:45: online-social-Teil sind die öffentlich-rechtlichen sehr agil gewordenen Wirklichkeit. Also da ist
00:18:51: die Überlebensdauer von nicht-erfolgreichen und das wird übrigens auch mit KPI's, mit Messdaten
00:18:57: hinterlegt. Also Formate, die nicht ankommen, die werden relativ schnell auch wieder eingestellt.
00:19:02: Dass sie entwickelt werden, ist gut und richtig, aber man sagt eben auch, wir produzieren nicht
00:19:06: zum Selbstzweck, sondern wir wollen gemeinwohl orientiert relevant sein und eine große Bandbreite
00:19:12: bieten. Ich glaube und bin fest davon überzeugt, dass dieses duale System, das in Deutschland eben auch
00:19:19: ein Beitrag zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung leistet. Sorry, dass man da so
00:19:23: pathetisch wird, aber ich meine das und sage das jetzt nicht nur um Werbung dafür zu machen,
00:19:28: sondern ich bin davon fest überzeugt und ich glaube, dass wir in einem Land leben, was insgesamt
00:19:33: auch im internationalen Vergleich eine sehr gute Verfassung hat und eigentlich auch eine gute
00:19:38: Verfasstheit, auch wenn die Demokratie unter Beschusstes und die öffentlich-rechtlichen Medien
00:19:42: leisten einen Anteil dazu, auch wenn im Moment auch aus einer bestimmten Richtung eben diese sehr
00:19:48: stark diskreditiert werden. Das soll nicht manche Skandale, die es gab, auch bei meinem eigenen
00:19:55: Muttersender sozusagen irgendwie kaschieren oder bagatilisieren, das liegt mir fern. Aber das
00:20:02: System ist zukunftsfähig und die Reformen, die wir jetzt in den nächsten Jahren erleben werden,
00:20:07: die jetzt auch übrigens schon begonnen haben, zum Beispiel eben auch beim RBB, aber nicht nur,
00:20:10: die sind genau der Schritt in die richtige Berichte. Danke dir für die klare Aussage.
00:20:15: Benjamin, du hast vorhin das Jahr 2024 genannt, da ich ja weiß, dass du auch gerne visionär in
00:20:22: die Zukunft guckst. Wie sieht denn der Journalist aus deiner Sicht, wenn du mal ein bisschen
00:20:26: rumspinnen, da sind 30 Jahre aus? In 30 Jahren ist für dich ganz schwer. Ich finde auch schon immer
00:20:32: diese Frage in Bewerbungsgesprächen, also wenn sie mir gestellt wurde, wo sehen sie sich in fünf
00:20:37: Jahren? Sehr schwer zu beantworten, weil mir so viele Dinge durch den Kopf gehen. Gute Antwort,
00:20:45: Benjamin. Ich bin voll bei dir, weil ich die Frage auch nicht mag, aber ich habe sie jetzt
00:20:48: gestellt. Ich würde sie relativieren und sagen, wenn du einen Wunsch äußern dürftest, wie würdest du
00:20:54: dir einen Journalisten wünschen? Also ich glaube Journalistinnen und Journalisten werden auch in
00:21:02: 30 Jahren hoffentlich neutral berichten, Dinge so darstellen, wie sie sind. Das ist unser großes
00:21:09: Privileg. Also das ist etwas, ich bin Journalist geworden, weil ich neugierig bin, schon als Kind
00:21:13: neugierig war. Wenn die Feuerwehr vorbeifuhr, bin ich runtergerannt aus dem zweiten Stock und habe
00:21:18: geguckt, wo halten die? Klar kann man jetzt sagen, Gaffa, nee es war neugierig und wenn irgendwo
00:21:23: ein Tag der offenen Tür war, bin ich hingegangen. Wir haben als Journalistinnen und Journalisten die
00:21:27: Möglichkeit hinter die Kulissen zu schauen. Wir dürfen unbequeme Fragen stellen, das dürfen wir
00:21:31: nicht missbrauchen. Das wird auch in 30 Jahren noch wichtig sein, denn Menschen, ich rede gar nicht nur
00:21:38: vom Politiker oder irgendwelchen Wirtschaftsbossen, Menschen leigen dazu, Dinge zu tun, die nicht
00:21:42: gut sind, die sind egoistisch und Journalistinnen und Journalisten können aufklären. Sie können
00:21:46: zur Meinungsbildung beitragen. Das ist glaube ich wahnsinnig wichtig und ansonsten hoffe ich,
00:21:52: dass das, was wir erleben, die Demokratisierung oder das Medienzugangs, also dass man sagt,
00:21:57: jeder kann eigentlich als YouTuber zur Medienmarke werden, Content creators, Influencer, das sind so
00:22:02: Begriffe, die aufgekommen sind. Ich glaube, dass das ein Stück weit verschmelzen wird. Also ich
00:22:08: glaube, dass dieser Beruf noch volatiler und wandelbarer ist und das aber, das wäre zumindest
00:22:15: meine Hoffnung, dass man eben auch von zu Hause aus, wenn es dann noch Twitch gibt, zum Beispiel als
00:22:21: Twitch-Streamer von Meos auch in der Nische und für seine Community journalistisch arbeiten kann,
00:22:25: dass aber das Grundwissen über journalistische Grundwerte dort fest verankert ist und ich bin
00:22:32: fest davon überzeugt, dass wir auch in der Schule eine andere Medienbildung brauchen, die eben ja
00:22:38: über die Bedeutung und die Nivellierung sozusagen journalistische Angebote aufklärt. Und was ich
00:22:48: beobachte, ein Trend, den ich spannend und motivieren finde auch für unsere jungen Kolleginnen und
00:22:52: Kollegen, die anfangen. Ich glaube, es wird durch die technischen Möglichkeiten auch die
00:22:56: Distributionsmöglichkeiten immer einfacher selbst zur Marke zu werden. Also das ist,
00:23:02: wir sind nicht mehr unbedingt auf einen großen Verlag angewiesen oder auch auf einen öffentlich
00:23:08: rechtlichen Sender oder eine Tageszeitung von mir aus, sondern es gibt hyper lokale Projekte,
00:23:14: manche tun sich schwer, andere wurden eingestellt, aber es gibt Beispiele, ich nenne das
00:23:18: Beispiel Rums aus Münster zum Beispiel, das ist ein ganz ermutigendes Beispiel, wie man eben für
00:23:22: eine Stadt wie Münster mit einem Newsletter, einem Podcast und mit handgemachter, liebevoller
00:23:28: Recherche erfolgreich sein kann. Es gibt viele andere Beispiele zu Spezialthemen, also finde deine
00:23:34: Nische und sei erfolgreich. Besser kann man ja gar kein Schlusswort sprechen, wenn ja,
00:23:41: es ist eine große Freude mit dir zu sprechen und ich kann dir versichern, dass wir sicherlich in
00:23:47: absehbarer Zeit uns hier wiedersehen und dann vielleicht auch über die ersten Schritte,
00:23:52: die wir gemeinsam gegangen sind, berichten können. Ich bedanke mich ganz herzlich,
00:23:56: dass du dir die Zeit genommen hast und wünsche dir natürlich für die EMS auch weiterhin viel
00:24:01: Erfolg, dass alles so kommt wie du es dir auch vorstellt und nochmal das herzlichen Dank für
00:24:06: deinem Besuch. Vielen Dank.
00:24:07: [Musik]
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